Uwagi o mniejszości muzułmańskiej w Polsce (niem.)

Mons. Lucjan Skolik

 

Anzeichen einer veränderten Einstellung der muslimischen Minderheit in Polen zu Staat und Gesellschaft

 

 

Die Moslems in Polen

 

Für die polnische Bevölkerung gab es bis vor kurzem noch nicht das Problem des Islam. Bis vor wenigen Jahren existierte die moslemische Minderheit in Polen ausschließlich im nord-östlichen Teil unseres Landes, die aus Tataren bestand und fünftausend Personen zählte, das sind ca. 0,0128 % der Einwohner Polens.

 

Die polnischen Tataren gab es seit dem 14. Jahrhundert im Großfürstentum Litauen, das mit Polen durch Personalunion verbunden war. Im Gebiet der jetzigen Republik Polen gibt es die Tataren seit dem 17. Jahrhundert. Sie bildeten bis in die jüngste Zeit eine religiöse Gruppe, die gut in die polnische Kultur integriert war.

 

Als Zeichen korrekter Kontakte zwischen Katholiken und Moslems in Polen kann die 1998 entstandene und bei Gericht eingetragene  Gemeinsame Beratungsgruppe von Katholiken und Moslem angesehen werden, die keine Entsprechung in anderen Ländern hat. In der Erklärung über ihr Programm ist davon die Rede, dass sie einen Dialog zwischen beiden Religionen und Zivilisationen, nämlich der lateinischen und der moslemischen, führen möchte, die Schaffung einer Atmosphäre für freie religiöse Praktiken beider Religionen anstrebt, sowie eine gegenseitige Informationstätigkeit über Katholizismus und Islam betreiben möchte. Bei der Polnischen Bischofskonferenz gibt es zudem die Kommission für den Dialog mit den nichtchristlichen Religionen, deren Vorsitzender der Weihbischof der Erzdiözese Warschau, Tadeusz Pikus, ist. Einmal im Jahr, am 25. Januar, wird in der polnischen Kirche, nach Abschluss der Gebetswoche für die Einheit der Christen, der sog. Tag des Islam begangen, der u.a. darin besteht, dass sich Vertreter der römisch-katholischen Kirche und Vertreter der Moslemischen Religionsgemeinschaft sowie des Bundes der Polnischen Tataren zum gemeinsamen Gebet versammeln.

Die meisten polnischen Angehörigen des Islam gehören der Moslemischen Religionsgemeinschaft in der Republik Polen an, die schon 1925 durch die polnischen Tataren in Wilna gegründet und 1926 in Warschau reaktiviert wurde. Die Moslems polnischer Abstammung pflegen in der Regel keinen Kontakt zu der im Januar 2004 registrierten Moslemischen Liga, der vor allem in Polen lebende Ausländer angehören. Der Grund dafür ist darin zu sehen, dass die Araber die Öffnung der Tataren zur polnische Umwelt hin nicht akzeptieren, und die Tataren den arabischen Konservativismus und Radikalismus nicht unterstützen.

Die jüngsten Statistiken besagen, dass die Anzahl der in Polen lebenden Bekenner des Islam in den letzten zehn Jahren auf 25.000 angewachsen sei. Davon sind 20.000 Ausländer, Araber, Tschetschenen und Türken, die in Polen leben sowie eine kleine Anzahl von Polen, die zum Islam übergetreten sind und in gemischten Ehen leben. Ein Teil dieser Personen betreibt eine Wirtschaftstätigkeit und nutzt Kredite, die nach Korangesetzen gewährt werden und die nicht immer aus transparenten Quellen stammen.

 

Der Fall des Imam Ammar

 

Im April und Mai diesen Jahres wurde die Ausweisung des seit zehn Jahren in Polen lebenden Ahmed Ammar bekannt. Er war Doktorand an der Universität Posen, stammte aus dem Jemen und war gleichzeitig Imam der Region Großpolen. Nach Erkenntnissen der Agentur für Innere Sicherheit war er für die Sicherheit des polnischen Staates ein Risiko und wurde auf Weisung des Woiwoden von Großpolen aus Polen ausgewiesen. Die polnische Presse griff diesen Fall auf, was ein lautstarken Echo sowohl über den Jemeniten als auch über die Moslems verursachte. Manche Medien zweifelten die Rechtmäßigkeit der Entscheidung des Woiwoden von Großpoelen an und sahen darin einen Anschlag auf die bürgerliche Freiheit. Sie verlangten die Bekanntgabe von Einzelheiten, die dieser Entscheidung zugrunde lagen. In der Folge publizierten die Medien immer mehr Einzelheiten über Ammar, aus welchen deutlich wurde, dass seine Haltung zu Polen nicht eindeutig gewesen sei, und er während seiner Aufenthalte im Jemen Kontakte zu terroristischen Organisationen gehabt habe. Es wurde sogar behauptet, dass er seit zehn Jahren ein sog. schlafender Agent einer terroristischen Organisation gewesen sei. Über die Kraft des islamischen Netzes in Polen werden wir erst dann etwas erfahren, wenn es zuschlägt – schrieben die Medien.

 

Signale von Spannungen

 

Im Zusammenhang mit der Ausweisung von Ammar wiesen die Medien darauf hin, dass in sieben islamischen Gemeinden in Polen (Bohoniki, Kruszyniany, Bialistok, Warschau, Landsberg und Posen) immer öfter Ausländer, d.h. Araber, zum Imam bestimmt werden. In der nächsten Zeit sollen neue Gemeinden in Bromberg, Stettin, Breslau und Krakau entstehen. Immer öfter hört man auch von Spannungen zwischen Moslems polnischer Abstammung und solchen, die aus dem Ausland kommen. Ein Beispiel für solche Spannungen kann auch der im vergangenen Jahr erfolgte Amtsverzicht des Danziger Imams und bekannten polnischen Tataren, Selim Chazbijewicz, sein. Er ist Politologe, Wissenschaftler und Schriftsteller. Seine Stelle als Imam verlor er unter ungeklärten Umständen. Inoffiziell wird gesagt, er habe nicht so sehr wegen religiöser sondern politischer Meinungsverschiedenheiten verzichten müssen, die zwischen ihm und der arabischen Moslemgruppe in Danzig entstanden waren. In den letzten zehn Jahren erfolgte somit eine erhebliche Radikalisierung unter den Moslems, auch unter polnischen Tataren, vor allem jenen, die zu Koranschulen in arabische Länder reisten, wo sie für Emissäre von terroristischen Organisationen interessant sind.

 

Die in Polen ansässigen Araber sowie teilweise die Tataren, die Kurse und Schulungen in arabischen Ländern absolviert haben, werfen den angestammten polnischen Moslems vor, sie seien zu sehr von der europäischen Kultur durchdrungen und sollten daher zu den moslemischen Wurzeln zurückkehren. Die polnischen Tataren geben immer öfter zu, dass ihnen das nahöstliche, arabische Model des Islam nicht entspricht. So haben zum Beispiel die tatarischen Frauen niemals, außer bei Gebeten, Kopftücher getragen. Unter den polnischen Tataren hat es auch nie die Vielehe gegeben.

Das religiöse Oberhaupt der polnischen Moslems, Mufti Tomasz Miśkiewicz, ist der Meinung, dass es zwischen den polnischen Tataren und den Moslems aus arabischen Staaten keinen Konflikt gibt. Doch gesteht er ein, dass ein eigener Terminus existiert, den man tatarischer Islam nennt, der ein polonisierter Islam ist und der von der polnischen Kultur durchdrungen ist. Seiner Meinung nach sollten die Tataren zu den islamischen Wurzeln zurückkehren. Ähnlich denken junge Polen, die erst vor kurzem Moslems geworden sind. Sie meinen, man müsse die Tataren zum echten Islam bekehren.

 

Tekst wygłoszony w Belgradzie na spotkaniu Sekretarzy Generalnych Konferencji Episkopatów Europy w czerwcu 2004 r.